Drumpionierin Viola Smith mit 107 verstorben

Die US-Musikerin galt in den 1930er-Jahren als erste Profi-Schlagzeugerin in der Geschichte des Pop und war Wegbereiterin für Frauen; sie starb Ende Oktober in biblischem Alter.

Die in Mount Calvary/Wisconsin am 29.11.1912 als Viola Schmitz geborene Drumpionierin begann schon als Kind Schlagzeug zu spielen. Ihr Vater gründete mit seinen acht Töchtern ein Orchester: »Er sagte er jeder von uns, welches Instrument sie spielen sollte, und Gott sei Dank gab er mir Trommeln«, so Smith über ihre Anfänge. Mit 12 Jahren begann sie, mit ihren Geschwistern in der Gruppe der Schmitz-Schwestern durch ganz Wisconsin, Illinois, Indiana, Minnesota und Iowa zu touren. Die Schwestern spielten auf Hochzeiten, Partys, Varieté-Runden und in Kinos.

Mit Gene Krupa als frühem Einfluss verfeinerte Viola ihr Handwerk durch Unterricht bei wahrhaft berufenen Lehrern: »Ich habe bei Ted Reed in seinem New Yorker Studio und bei Billy Gladstone in der Radio City Music Hall studiert. Außerdem hatte ich ein Stipendium an der Julliard School of Music, und Saul Goodman war dort mein Paukenlehrer«, so Smith.

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Zu ihren frühen Erfolgen zählt, dass Smith 1940 auf der Titelseite des Billboard-Magazins erschien und einen Vertrag mit der WFL Drum Company, Ludwig Drums und Zildjian erhielt, deren dienstälteste Endorserin sie war.

Da sie schon immer ihre Stimme für Frauen in der Musik erhob, setzte sie sich zu Zeiten des 2. Weltkrieges mit Nachdruck für Bands ein, die männliche Musiker durch die Einberufung verloren, um weiblichen Spielern die Chance zu geben, sie zu ersetzen. Damit löste sie eine US-weite Debatte über Musikerinnen und die Vorurteile und Diskriminierung aus, die sie erlebten. 

»Louie Bellson kam dreimal zu mir, hauptsächlich um zu sehen, was ich mit all diesen Trommeln mache«, erzählte Smith einmal. um zu ergänzen: »Vielleicht sind es die Trommeln, die mich rüstig gehalten haben, oder der Wein [sie genoss täglich ein Glas selbigen] oder der Besuch im Kasino. Ich habe gehört, dass man zwei Aspirin nimmt, wenn man sich fühlt, als würde man sterben. Das würde einen wiederbeleben. Ich hatte also lange Zeit Aspirin an meinem Bett und wartete darauf, dass ich sterbe. Es ist nichts passiert.«

Am 21.10.2020 ist es nun doch passiert. Viola Smith verstarb knapp einen Monat vor ihrem 108. Geburtstag. Mit ihr verliert die (Musik-)Welt eine großartige Pionierin und bahnbrechende Musikerin. Sie hinterlassen eine Lücke, Mrs. Schmitz – R.I.P.! 

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