Antonio Sánchez (Bild: Cord Radke)
Antonio Sánchez (Bild: Cord Radke)

»Du musst eine Geschichte erzählen«

Antonio Sánchez kam am 22.11. für eine einzige Deutschland-Clinic nach Berlin. Der »Birdman«-Star ist ebenso motivierend wie inspirierend. Hier ein kurzer Rückblick auf den Clinicabend.

 

Er hätte noch einen Jetlag, meinte der frisch aus New York eingeflogene Sánchez zu Beginn seiner Clinic: deswegen solle man ihm nachsehen, wenn er wirres Zeug erzähle. Tatsächlich war das aber alles andere als wirr, was der mexikanische Überflieger dem Publikum mitzuteilen hatte. Kommunikation sei sein Job als Künstler, sagte Sánchez. Musiker, die von der Bühne herunter nicht kommnunizieren würden, seien vielleicht technisch okay, aber ansonsten langweilig, ließ der 48-jährige wissen, der 2016 den Grammy für seine Filmmusik zu »Birdman« bekam, die er ausschließlich mit dem Schlagzeug spielte.

Kernbotschaft: »You have to tell a story«
Es war also davon auszugehen, dass der Mann am Schlagzeug eine ganze Menge zu erzählen hat. Das war in der Tat seine Kernbotschaft: »You have to tell a story« – du musst musikalisch eine Geschichte erzählen. Sánchez weiß, wovon er redet, verdiente er sich seine Lorbeeren schließlich mit Acts wie Pat Metheny, Chick Corea, Michael Brecker, Joe Lovano oder Charlie Haden. Die rund 200 Besucher folgten seinen Ausführungen aufmerksam und als Sánchez Fragen ans Publikum richtete, kamen interessante Antworten.

Ausgequetschte Zitronen und Jonglagebälle
Was es denn sei, das Musik gut und spannend mache, fragte Sánchez ins Podium. Mit den Zuhörern arbeitete er einige musikalische Prinzipien heraus, die es stets zu beherzigen gelte: »Leave Space« – Platz lassen sei eines der wichtigsten. Form sei wichtig, insbesondere ein klarer Schluss – auch bei Improvisationen. Improvisiert war das, was Sánchez musikalisch am Schlagzeug darbot. Das war erfrischend und spannend, weil offenbar wurde, dass hier nichts Vorbereitetes »abgespult« wurde; vielmehr experimentierte Sánchez mit offenem Ausgang vor Augen und Ohren des Publikums. Das Resultat: stets überzeugend. Sánchez zeigte anschaulich, wie man mit Dynamikkontrasten arbeitet, mit Spannung und Entspannung, Wiederholung, Frage-und-Antwort-Motiven, überhaupt Motiven und ihrer Variation. Er erzeugte stets starke Bilder: Mit mehreren musikalischen Motiven einen Vortrag gestalten sei wie mit mehreren Bällen zu jonglieren, meinte er etwa: Erst nur ein Ball, den man in Bewegung hält; und wenn die »Zitrone« des ersten musikalischen Motivs (das man immer so simpel wie möglich halten solle) ausgepresst sei – will sagen: oft genug wiederholt und variiert –, dann nähme man eine neue Zitrone, bzw. einen neuen Jonglageball.

 

2 Bilder

Die kurzen Videoclips, die wir bei der Clinic mitgeschnitten haben, veranschaulichen, was Sánchez meint und wie er selbst es umsetzt. Er improvisierte über einen beliebig ausgewählten Vamp und demonstrierte, wie sich die oben erwähnten musikalischen Prinzipien ins Schlagzeugspiel integrieren lassen. Ein durch und durch inspirierender Abend, den Yamaha ermöglichte. Leider gibt es vorerst hierzulande keine weiteren Termine.  

Interview aus Heft 4/2015 im Online-Archiv
Für Ausgabe Ausgabe 4/2015  durften wir ein ausführliches Interview mit diesem Ausnahmetrommler führen.

Info: www.antoniosanchez.net

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