‚Tengu Daiko and friends‘ – Japanisches Trommel-Konzert am 21.9.2012 in der FABRIK Hamburg

Wadaiko, Taiko, –Daiko in Zusammensetzungen , - es geht alles um Krach. Japanischen Krach, bis zur Perfektion koordiniert, abgestimmt, choreografiert, zu Leben erweckt auf großen, mannsgroßen, manchmal mehr als mannsgroßen Trommeln. Wie soll man sich den Klang einer Trommel mit einem Durchmesser von 3, 90 Metern vorstellen?

Die Kraft, die von so einer O-Daiko (übersetzt: ‚dicke, große Trommel‘) ausgeht, ist nur in Japan zu erleben. Diese Trommel ist kaum transportabel, außer auf ihrem massiven Gestell mit riesigen Holzrädern, zu den japanischen Matsuri, den Sommerfesten, an armdicken Tauen von dutzenden japanischen Männern durch die Straßen gezogen.

Und doch fasziniert der Klang der O-Daiko auch in Europa, wo Gruppen wie Kodo, Yamato, Gocoo und andere die Säle füllen und das Publikum in den Bann der japanischen Rhythmen ziehen. Und das auf Trommeln, die zwar kleiner sind als 3,90 Meter, aber durchaus als „mächtig“ zu beschreiben sind. Ihr Klang und die auf ihnen geschlagenen Rhythmen erzeugen das Gefühl, einen Urgrund des Menschen zu erkennen, sich selbst zu erkennen, lassen den Wunsch entstehen, selber die Taiko zu schlagen. Das Gefühl des Wiedererkennens, des Dranges „das will ich auch!“, kann nicht ausbleiben.


Mehr als 10 Jahre sind es jetzt, dass die ersten Formationen Hamburg besuchten – und die Wirkung auf die Japan-Fans war enorm. Vor allem natürlich bei der Bevölkerungsgruppe, die Japan am nächsten stand, den Japanologie-Studenten. Es konnte nicht ausbleiben, dass eine von ihnen, schlagzeugbegabt, sich im japanischen Trommeln spezialisierte, und für ihre Magisterarbeit anderthalb Jahre in Japan verbrachte, mit dem Ziel, dieses faszinierende Trommeln, Taiko, zu lernen. Ilka Burgdörfer kam derart begeistert zurück, dass in Hamburg wohl getrommelt werden musste! Unter den Japanologen stieß sie auf Enthusiasmus, es sollte sofort losgehen! Problem dabei: keine japanische Trommeln zur Hand! Autoreifen tun es am Anfang auch, und mit Hilfe eines japanischen Feinkosthändlers in Hamburg sind bald auch die ersten drei japanischen Trommeln Wirklichkeit. Vom Gefühl und vor allem Übungsstand her viel zu früh wurde von dem gleichen Feinkosthändler die Bitte nach Auftritten geäußert – spannend natürlich, erschreckend zugleich. Und trotzdem waren die ersten Auftritte, lange her um das Jahr 2002, ein Erfolg: sie brachten beim Publikum etwas in Bewegung. Es sprach sich herum, und die Gruppe mit dem provisorischen Namen „Dokidoki-Daiko“ sollte über einen seriöseren Namen nachdenken. Und das wurde nach langem Suchen „Tengu Daiko“, das Trommeln der Langnasen, denn ein Tengu ist ein japanisches Fabelwesen, das den Menschen freche Streiche spielt, es aber dennoch gut mit ihnen meint, es ist halb Mensch, halb Vogel mit einer sehr langen Nase. Und dass die ersten europäischen Einwanderer über eine solche verfügen, war auch den Japanern bereits aufgefallen, weshalb sie die Europäer halb spottend, halb liebkosend „Tengus“ nannten.


Durch die Erfolge bei den Auftritten von Tengu Daiko konnten dann Trommeln gekauft und gebaut werden. Zuerst die mittelgroßen Miya-Daikos, und als die Auftrittskasse mal gut gefüllt war, eine echte Odaiko und als Sahnehäubchen waren irgendwann sogar zwei Shime-Daiko erschwinglich, hergestellt mit 400jähriger Tradition vom japanischen Trommelbauer Asano in Tokyo.


Der Aktionsradius wurde schon bald über Hamburg hinaus ausgeweitet, die Anfragen brachten die Gruppe bis an die Nationalgrenzen und weiter, so dass die erste Auslandstournee auch nicht mehr lange auf sich warten ließ. 2005 ging es in die Schweiz und nach Italien, bewaffnet mit dem ersten Merchandising, später dann Richtung Norden nach Dänemark und Schweden, zuletzt nach Österreich. Die Filmindustrie entdeckte Tengu Daiko: für zwei Spielfilme und viele kürzere DVDs wurde Tengu Daikos Trommelmusik benutzt. Besonders die japanischen Kampfsportler sahen die vielen Übereinstimmungen in Haltung und Bewegung beim Taiko, und Live-Demonstrationen mit Live-Trommeln ist einfach ‚Action Pur‘ für alle Sinne.


Die Begeisterung der Mitglieder weitete sich ebenfalls aus, so dass es nicht verwunderte, dass Aufbrüche zu neuen Ufern stattfanden: 2004 verbrachte ein Tengu eineinhalb Jahre in Japan und studierte im Tokyoter Tawoo-Dojo den Taiko-Stil der Gruppe Gocoo. Das war die Initialzündung für die Gründung von Kion Dojo und der Gruppe Taikoon nach seiner Rückkehr nach Hamburg im Jahr 2006. Ein weiterer Tengu schwärmte aus, um die Hamburger Taiko-Szene zu erweitern: die Gruppe Tama-Daiko entstand im selben Jahr.

Der Gründung der Hamburger Gruppe Yo Bachi Daiko 2004 gingen die Organisation regelmäßiger Taiko-Workshops durch den Gruppengründer seit dem Jahr 1998 voran, so dass hartnäckige und eingeweihte Taiko-Fans bereits in den späten 90ern die ersten Kontakte zu den straff gespannenen Trommelfellen knüpfen konnten. In der Natur der Studiums-Sache liegt die Notwendigkeit, irgendwann zu einem Abschluss zu gelangen, so dass wegen Examenstätigkeiten einer nach dem anderen der Japanologie-Studenten ausflog. Allmählich kamen auch Nicht-Studenten zu der Truppe, die irgendwie doch alle die Liebe und Faszination für Japan teilten. Eine mehr oder weniger stabile Anzahl von 10 Auftrittsgruppenmitgliedern sicherte die Durchführung der immer zahlreicher werdenden Auftritte von Tengu Daiko.


Heute, nach dem Umzug der Gruppengründerin Ilka Burgdörfer in fernöstliche Gebiete, liegt die Verantwortung schon seit acht Jahren in den Händen von Erik Ruigrok, einem waschechten holländischen Tengu, der seinen Beruf längst den Anforderungen der Gruppe untergeordnet hat und bei dem die Leitung aller Auftritte liegt: Und das bedeutet immer die Quadratur des Kreises: das Erlangen der Zufriedenheit aller Gruppenmitglieder mit dem Auftrittsprogramm, mit der stets pünktlichen und zeitschonenden Anreise, mit dem letzten Probenfeinschliff, mit dem Reparieren kaputtgespielter Bachi – den japanischen Trommelstöcken - und wundgespielter Hände. Aber auch die Akquisition neuer Mitglieder, alle über den Weg der Anfängerkurse: Aus Workshops in Hamburg und auf dem „Um-Lande“ kristallisierten sich die bunten Perlen heraus, die auch unbedingt diese faszinierende, fast süchtig machende Kunst erlernen wollten. In wöchentlichen Kursen wurde geprobt und geschwitzt, und irgendwann, irgendwann war es dann für einige so weit, dass sie gefragt wurden, ob sie ein Tengu werden wollen. Und niemand von ihnen wird seine Nervosität vor dem ersten Auftritt je vergessen!


Alle Tengus wollen Späße treiben – und sich natürlich weiterentwickeln! Und neben den wöchentlichen drei Stunden Dauertraining haben Workshops mit Koryphäen wie Tanaka Norobu, Kimura Yoshiyuki, Nishimine Masakazu, die japanischen Gruppen Yamato und Gocoo und andere die Fähigkeiten von Tengu Daiko ständig gesteigert, und sobald ein Workshop aus Japan in Sicht kommt, stürzen sich die Tengus darauf. Schon sehr bald nach den ersten Auftritten wurden Stimmen laut, die die Trommelmusik auch Zuhause oder unterwegs erleben wollten: Kann man eine CD von euch kaufen? Und irgendwann mussten natürlich die wackeligen Schritte zur ersten CD-Produktion gemacht werden. Stolz wurde 2005 die erste CD Ichi Ban (japanisch für ein bescheidenes ‚Nummer Eins')
gepresst, und gerade jetzt wird letzte Hand gelegt an CD Nummer Zwei, die aber den schönen Namen Yamabiko (‚Echo der Berge') mit auf den Weg bekommt.
Dieser nimmer endende Weg des Trommelns - keiner wird je sagen „so, jetzt kann ich es" – wie sieht der denn aus? Am Freitag, 21. September, kann man das in der Fabrik in Hamburg erfahren. Zum ersten Mal in der Geschichte Hamburgs werden sich die unterschiedlichen Wege des Taiko kreuzen. Und wenn man an dem Abend vielleicht ein Echo wahrnimmt, dann ist das bestimmt das Echo von Yamabiko. Die Platte wird nämlich an dem Abend released...

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