Interview Archiv

Neil Peart

Der »Professor« am Schlagzeug

Es gibt tatsächlich eine besondere Art von Aura, die Neil Peart umgibt. Er gilt als der Verschwiegene, der Höchsteigenwillige, der Belesene, der Intellektuelle der internationalen Drummerszene – und daneben als einer der berühmtesten Rockdrummer überhaupt.

Neil Peart
Neil Peart

Ein Interview mit Neil Peart zu führen, sei immer auch ein Stück Herausforderung – sagt man. Doch bei unserem Treffen beim einzigen Deutschlandkonzert der kanadischen Nationalhelden Rush in Frankfurt zeigte sich Peart überaus mitteilungsfreudig und entspannt. Auch wenn die Band hierzulande vielleicht eher zu den Insiderbands gehören mag, gilt sie vor allem in ihrem Heimatland Kanada, den Staaten und in England als eine der größten und erfolgreichsten Rockbands überhaupt – Rush ist eine Band, die seit Jahrzehnten das Geschehen wesentlich prägt. Zahlreiche hochkarätige Musiker zählen den Ausnahmebassisten Geddy Lee, den Gitarristen Alex Lifeson und natürlich Neil Peart zu ihren wesentlichen Einflüssen. Der Name Rush ruft allenthalben Bewunderung und den Willen zur Verneigung hervor. Auf ihrer »Time Machine«-Tour, die die Band derzeit um die Welt führt, spielen die drei u.a. ihr Erfolgsalbum »Moving Pictures« (1981) erstmals komplett live. Die Fans versetzt nicht nur diese Tatsache in den Zustand der Glückseligkeit. Kurzum, Ladies and Gentlemen: Mr. Neil Peart!

Wenn man eine Rush-Show sieht, fällt natürlich besonders dein »Time Machine«-Set in den ebenso opulenten und passend gestalteten Bühnenaufbauten ins Auge...

»Klar. Darauf haben wir, ich und John Good sowie sein Team bei Drum Workshop, auch einiges an Entwicklungszeit verwendet. Allein die handgemalten Kesseloberflächen haben Ewigkeiten gedauert. Ich wohne nicht weit von der DW-Produktionsstätte entfernt. Also bin ich natürlich oft dort, und sei es nur zum Spielen und Ausprobieren. Jedes Mal hat man mir dabei neue Prototypen vorgestellt, und wir haben darüber gesprochen. Zudem gibt’s bei meinem Set eine ganz besondere Hardware mit vielen Kleinigkeiten aus dem Hardware-Store. Die wurden dann verkupfert und integriert. Die Konstrukteure haben’s einfach gemacht, was ich toll finde. Das Gleiche gilt auch für die Sabian-Becken, die ebenfalls im ›Steampunk‹-Design gestaltet wurden. Auch hier hat man mir reichlich Prototypen geschickt. Aber das alles hat auch andere Gründe, als allein mich zufriedenzustellen. Mein letztes Set für die ›Snakes and Arrows‹-Tour z.B. hatte schwarz vernickelte Hardware. Ich wollte aber auch schwarzes Chrom haben. Auch dafür wurde reichlich geforscht. Das Gleiche gilt für das Kupfer. Nun kann aber, und das ist das Wichtigste, jeder solche Hardware haben, weil sie einfach auf dem Markt verfügbar ist. Auch meine Snaredrum, ein ›VLT‹-Kessel, ist auf ähnliche Weise entstanden. Man gab sie mir einfach zum Ausprobieren, und heute ist diese Trommel meine Nummer eins. Auf den vorangegangenen Alben habe ich vielleicht neun, zehn verschiedene Snares benutzt. Jetzt nur noch eine, live und im Studio. Ich finde es erstaunlich, dass auch nach derart vielen Jahren, in denen ich so viele Snares gespielt habe, plötzlich etwas auftaucht, das all das auf einmal erledigen kann [lacht].«

Neil Peart
Neil Peart

Das ganze Interview findet Ihr in der aktuellen Ausgabe drums&percussion Juli/August 2011 ab Seite 16.