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Bela B.

Schwester, die Sticks bitte!

Nicht allein der Schlagzeuger der »besten Band der Welt« hat’s faustdick hinter den Ohren. Es mag, wie Die Ärzte es selber in einem Song ihres neuen Albums »auch« ausdrücken, vielleicht Besseres zu tun geben, als selbige zu hören – aber tut man’s nicht, hat man immer was verpasst.

Bela B.
Bela B.

Zusammen mit seinem Ärzteteam, Farin Urlaub und, seit 1993, Bassist Rodrigo González, gehört Bela B. zum Urgestein deutscher Punkkultur, gibt’s die Band – man glaube es oder nicht – doch seit mittlerweile drei Jahrzehnten. In dieser Zeit haben die humorigen Punkrocker aus Berlin, die eigentlich gar keine sein wollen, so ziemlich alles erlebt, was man im Musikgeschäft erleben kann: von der Indizierung ihrer Songs bis hin zu ausverkauften Tourneen und grandiosem Erfolg. Dies alles über diese Zeit mit ›punkiger‹ oder, besser gesagt, authentischer Attitüde zu verbinden, ist freilich kein Kindergeburtstag – aber irgendwie behalten Die Ärzte dabei doch immer Oberwasser. Sie nehmen’s schließlich mit ihrem ganz eigenen Humor, der immer diejenigen zum Opfer hat, bei denen es irgendwie mal nötig ist – und seien es Die Ärzte selbst –, aber keinem dabei wirklich weh tut. Aktuell ist das in seiner Art einzigartige Trio auf der – zumeist auch schon wieder ausverkauften – »DAS ENDE ist noch nicht vorbei«-Tour durch die deutschen Lande. Wir haben Bela B. bei den Tour-Generalproben in Bremen getroffen und mit ihm einen Blick Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der »besten Band der Welt« geworfen...

Du bist ja so was wie ein ›Punkrock-Urgestein‹ in Deutschland, das bereits kurz nach der ersten englischen Punkwelle aktiv war. Was hat sich in der Zwischenzeit am meisten verändert?

»Na ja, die ganze Punkrockgeschichte hat heute oft einen Nostalgietouch, und Punkrock ist per se alles andere als Nostalgie. Das war er für mich nie, auch wenn ich gerne an diese Jahre zurückdenke. Wenn du heute das Wort ›Punkrock‹ hörst, dann denkst du an eine bestimmte Musikrichtung, eine bestimmte Art, wie Songs komponiert, arrangiert sind und klingen – und wie darin Schlagzeug gespielt wird. Das alles ist aber schon fast wieder Klischee, und damit sollte Punk ja nun auch nichts zu tun haben – zumindest damals in meiner Vorstellung als Siebzehnjähriger nicht. Es ist heute so, wie wir es in ›Freundschaft ist Kunst‹ auf der neuen Platte ausgedrückt haben: Punk ist der Mainstream. Es gibt heute Punkbands, die länger zusammen sind als die großen Rockbands, das Rock-Establishment, gegen das wir uns in den Anfangstagen des Punk aufgelehnt haben. Damals gab’s die Rolling Stones 20 Jahre, heute gibt’s Die Ärzte 30 Jahre [lacht]. Allen Jungendlichen da draußen kann ich also nur sagen: Zeigt nicht zu deutlich mit dem Finger in eine Richtung, irgendwann zeigen sie zurück [lacht]!«

Das ganze Interview findet Ihr in drums&percussion Juli/August 2012 ab Seite 16.