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Antonio Sanchez

Alles »Birdman«?

Mit dem Soundtrack zu Alejandro Gonzáles Iñárritus mehrfach preisgekröntem Kinofilm »Birdman oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit« hat Jazzschlagzeuger Antonio Sanchez mehr oder weniger komplettes Neuland betreten: Die Musik besteht ausschließlich aus Schlagzeugaufnahmen.

Was sich zunächst nach einem ziemlich verrückten Plan anhörte, wurde, vor allem wenn man sich das Endresultat anschaut, zu einer phantastischen Symbiose aus Bild, Bewegung und Rhythmus. Die Instrumente, die Sanchez in diesem Film mit viel Geschmack und Gespür für Spannungsbögen einsetzt, unterstützen das fast schnittlos aneinandergefügte Geschehen auf der Leinwand um Hauptdarsteller Michael Keaton vorzüglich und heben das Gesamtkunstwerk damit auf eine ganz andere, im besten Sinne bislang unerhörte, Ebene.

Gleichsam legt Sanchez, der neben der mittlerweile anderthalb Jahrzehnte andauernden Zusammenarbeit mit Jazzgitarrenlegende Pat Metheny auch seit einiger Zeit sehr erfolgreich mit seiner eigenen Band Migration unterwegs ist und ebenfalls preisgekrönte Aufnahmen vorgelegt hat, mit gutem Recht Wert darauf, nicht auf den Soundtrack von »Birdman« reduziert zu werden – obwohl gerade der ihm freilich ein großes Publikum erschlossen haben dürfte.
Das alles war natürlich für uns Grund genug, mit Antonio Sanchez ein ausführliches Interview führen zu wollen, und wir sind froh, dass es bei einem Gig mit Migration in Hannover tatsächlich geklappt hat.

Wie kam die Idee zustande, für den »Birdman«-Soundtrack ausschließlich Schlagzeug einzusetzen?
»Der Regisseur Alejandro Gonzáles Iñárritu kam auf mich zu und erzählte mir von seiner Idee. Ich kannte ihn bereits einige Zeit: Vor vielen Jahren hatte er in Mexiko eine Radioshow gemacht, die ich mir wegen der tollen Musik, die er darin spielte, oft angehört habe. Sogar die Pat Metheny Group habe ich zum ersten Male in dieser Radiosendung gehört. Jahre später spielte ich mit ebendieser Band in Los Angeles, und nach der Show kam dieser Typ zu mir: ›Mann, das war toll! Ich bin ein großer Fan der Band und komme auch aus Mexiko.‹ So kamen wir ins Gespräch, und dieser Typ erzählte mir, dass er Regisseur in Hollywood sei, und nannte – als ich wohl ein wenig irritiert dreinschaute – ein paar Filme, die er gemacht hatte, darunter ›21 Grams‹ und ›Babel‹. Wir waren uns auf Anhieb sympathisch und blieben in Kontakt. Anfang 2013 rief er mich aus heiterem Himmel an, erzählte mir von der ›Birdman‹-Idee und sprach davon, den Soundtrack lediglich mit Schlagzeug zu gestalten. Es ging ihm besonders um Rhythmus und Bewegung dieser Komödie, und das Schlagzeug sei das ideale Instrument, um dies zu unterstützen. Also schickte er mir das Drehbuch, und wir fingen an, Demos aufzunehmen. Der Rest ist, wie sagt man so schön, Geschichte [lacht].«

Der Film selber war noch nicht gedreht, als du mit Iñárritu am Sound-track gearbeitet hast?
»Nein. In diesem Zeitraum waren sie gerade dabei, Aufnahmen zu machen.«

Wie habt ihr denn am Soundtrack für einen seinerzeit noch nicht existierenden Film gearbeitet?
»Alejandro erklärte mir die einzelnen Szenen, und ich sollte schlichtweg dazu improvisieren. Zuvor hatte ich ihm einige Demos geschickt, die jedoch wesentlich mehr Struktur hatten.«

Das ganze Interview findet Ihr in drums&percussion Juli/August 2015 ab Seite 22.