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Wolfgang Haffner

»Der coolste Schlagzeuger Deutschlands«

Dieses Etikett verlieh die ARD Wolfgang Haffner kürzlich in einem Fernsehporträt – nicht schlecht für einen frischgebackenen 50-Jährigen. Dabei sah es noch vor Kurzem für ihn gar nicht cool aus: Ein Herzinfarkt kostete Haffner fast das Leben. Jetzt tourt er mit seinem Album »Kind of Cool« und ist erfolgreicher denn je.

Haffner besuchte uns morgens nach einem Konzert mit den Bochumer Symphonikern und Jazzgröße Nils Landgren. Am gleichen Abend noch flog er weiter nach Berlin – ebenfalls für ein Konzert und Proben mit Herrn Landgren, dieses Mal allerdings mit Mitgliedern der Berliner Symphoniker. Somit hat Wolfgang Haffner – wie eh und je – ein recht volles Programm. Aber es ist kein Vergleich zum früheren Hamsterrad, aus dem er ausgestiegen ist, wie er erzählt...

Du hast in einem Interview im bayerischen Fernsehen gesagt, dass du froh bist, dass dir das mit dem Herzinfarkt im August 2014 passiert ist. Wie kann man das verstehen – zumal du ja echt Glück gehabt hast, überhaupt noch zu leben?

»Ich hatte tatsächlich mehr Glück als Verstand. Was ich mit dieser Aussage meinte, ist, dass mich diese heftige Erfahrung aus der bisherigen Tretmühle herausgeholt hat. Keine Aktion war zu crazy, um nicht doch irgendwie gemacht zu werden: Ich erinnere mich an eine Tournee mit vier Konzerten in zehn Tagen auf vier Kontinenten. Der Terminplan wurde vollgestopft, bis absolut nichts mehr reinpasste. Nun achte ich viel mehr auf mich und meinen Körper, mache viel Sport, ernähre mich gesund, spiele bei Weitem nicht mehr so viel und gehe insgesamt mit größerer Demut an die Sache heran. Ich genieße mein Privileg, nur das zu tun, was ich wirklich möchte, und koste es noch mehr aus. Mir ist bewusst geworden, dass Gesundheit sehr zerbrechlich ist. Das Hamsterrad ist nichts mehr für mich. Ich überlege häufig zweimal, bevor ich einen Gig zusage, und bleibe nun auch mal gerne für längere Zeit zu Hause – was ich früher nie gemacht hätte. Ich lebe nach diesem heftigen Einschnitt natürlich insgesamt viel bewusster und auch besser als vorher. Das alles meinte ich mit meiner Aussage. Die Dankbarkeit, weiterleben zu dürfen, ist unendlich groß. Jeder neue Tag ist ein Geschenk, und das mache ich mir täglich bewusst.«

Das ganze Interview findet Ihr in drums&percussion März/April 2016 ab Seite 18.