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Sheila E.

Die Grande Dame an Percussion und Drums

Neues Album, neues Buch, neues Leben: Sheila E. ist eine der ersten, einem großen Publikum bekannten weiblichen Drummer, die seit langer Zeit bereits eine recht steile Karriere hinlegt. Einen ordentlichen Schub erhielt diese Entwicklung seinerzeit natürlich über den Trommelhocker bei Prince.

Nach dem Trubel und einer heftigen Verletzung am Ende der Prince-Tour wurde es eine Zeitlang etwas ruhiger um die First Lady am Drumset und an der Percussion. Sheila E. kann natürlich beides, stammt sie doch aus der legendären Escovedo-Familie, die bereits mit Papa Pete und den Brüdern Juan und Peter Michael bekannte Persönlichkeiten der Percussionszene hervorgebracht hat.
»Icon« ist dein erstes Solo Album seit 14 Jahren. Was hat dich dazu bewogen, ein neues Album zu machen?

»Das Album erschien offiziell im Juli des vergangenen Jahres. Die Idee dazu nahm beim Schreiben meiner Autobiographie immer mehr Gestalt an. Ich habe dabei herausgefunden, dass es in dem Buch Geschichten gibt, die sich als Songs manifestieren sollten. Zudem gab es Songs, die ich zwar geschrieben, aber nie veröffentlicht und dennoch im Buch erwähnt hatte. So kam alles zusammen, und am Ende gab es mir den letzten Kick, als ich feststellte, dass ich fast 13 Jahre lang keine Solo-CD mehr veröffentlicht hatte.«

Was ist der musikalische Unterschied zu deinen früheren Produktionen?

»Da gibt es eine ganze Menge, das sich verändert hat. Ich glaube, dass wir uns als Musiker und Menschen – hoffentlich zumindest – in einer gewissen Zeitspanne immer verändern, lernen und wachsen. Die Perspektive zum Leben verändert sich ebenfalls, man nimmt gewisse Dinge nicht mehr als selbstverständlich, respektiert seine Herkunft viel mehr, bewältigt zumindest zum Teil auch die Vergangenheit und kann zurückschauen auf das, was man geschaffen hat – oder auch nicht. Ich meine, ich bin immer noch eine Lernende und werde auch den Rest meines Lebens eine Lernende bleiben. Wenn ich heute zurückblicke, sehe ich klarer, was wirklich wichtig für mich ist und wer ich bin. – ›Icon‹ zeigt in diesem Sinne den aktuellen Stand. Ich habe die Songs mit den besten Songwritern in Nashville aufgenommen – Songs von meinen Bandmitgliedern und auch eigene Kompositionen. Einige Songs erzählen wie gesagt die ein oder andere Geschichte aus meinem Buch, andere sind aus persönlichen Gründen auf dem Album gelandet. Ich versuche immer, ehrlich zu mir selbst zu sein, und mit dem Entschluss für die CD-Produktion war ich schlussendlich richtig zufrieden. Ein weiterer Aspekt, der das neue von meinen früheren Alben unterscheidet, ist der, dass wir diesmal alle Drums an drei Tagen eingespielt haben. Ich wollte sie aus einem Guss! Also wurde auch nichts geschnitten oder ›eingedropt‹. Ich spielte alles in einem durch, zum Beispiel das Congasolo am Anfang des Songs ›Butterfly‹.«

Auf dem Album finden sich zwei Tracks ausschließlich mit Percussion...

»Eigentlich sind es auf der US-Version der CD vier Songs mit Percussion. Die europäische Version ist unterschiedlich und hat nur zwei davon. Bei ›Butterfly‹ musste ich die anderen Percussionstimmen overdubben, aber das Solo ist ein Take. Ich mag es nicht, in Soli einzusteigen oder sie zu zerschneiden. Ich wollte der Welt auch zeigen, dass ich noch trommeln kann – was vielleicht der ein oder andere schon vergessen hat. Ich bin ja damit aufgewachsen. Mein Vater hat immer gesagt: ›Wenn du bei einen Gig ein Solo hast, kannst du ja auch nicht anhalten und dem Publikum erklären, was schief gelaufen ist, und dann noch mal starten.‹ Also musst du dein Handwerkszeug parat haben. Warum also nicht auch im Studio? Die Percussionspuren beginnen mit den Congas – das habe ich auch zum ersten Mal so gemacht –, und dann kommt eine Djembe darüber mit Tabla-Beats usw. – insgesamt halt ein bisschen mehr Percussion als üblich.«

Das ganze Interview findet Ihr in drums&percussion Mai/Juni 2015 ab Seite 14.