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Mike Johnston

Der Guru der Online-Lessons

Mit seinen Unterrichtsstunden und Videoclips auf seiner Webseite hat Mike Johnston die internationale Szene ordentlich durcheinandergewirbelt. Und die Zahl der Clicks gibt ihm deutlich recht: Hier besteht reichlich Nachfrage.

Mike Johnston
Mike Johnston

Wie es zu diesen – nicht allein technisch – höchstausgefuchsten Lessons gekommen ist, was es damit genau auf sich hat und wie es damit in der Zukunft weitergehen soll, das hat uns Mike Johnston ganz ausführlich im Interview erzählt. Zudem hat er uns auch eine Menge Details der technischen Vorgangs erklärt. Johnston nimmt seine Lessons in der Nähe von Sacramento auf, und zwar in Eigenregie.

Wie und wann hat sich die Idee zu deinen Online-Lessons entwickelt?

»Alles begann gleichzeitig mit der Verbreitung von YouTube. Ich habe in den Anfangstagen bereits meine Unterrichtsstunden hochgeladen, auch wenn man damals den Leuten noch erklären musste, was YouTube überhaupt ist [lacht]. So neu war’s. Zielgruppe waren meine Schüler: Immer wenn ich auf Tour war, habe ich die Unterrichtsstunden ins Netz gestellt. Es sollten in etwa 70 oder 80 Clicks auf der Seite sein – als ich’s dann aber nach meiner Rückkehr von der Tour überprüft habe, waren es 20000 oder 30000. Das fand ich schon verrückt. Drum-Lessons gab’s damals auf YouTube einfach nicht. Als die Sache nach und nach immer größer wurde und sich die Hits in Richtung 200000 und mehr bewegten, wurde mir klar, dass es offensichtlich eine große Nachfrage nach Online-Unterricht gab. Ich hatte damals vor allem Tipps und Tricks gepostet, die beim Anschauen auch einfach Spaß machen sollten. Ich hatte aber nun den Eindruck, dass die Leute für ›richtigen‹ Unterricht auch gerne zahlen würden. Mein Konzept lautete: Wenn du also einen Bossa-Nova oder ein spezielles Rudiment lernen möchtest, dann solltest du auch eine entsprechende Online-Lesson finden können. Es gab zwar jede Menge Drum-DVDs, aber die kosteten halt um die 40 Dollar. Wenn dich nur ein winziger Teil davon interessiert, dann ist das einfach zu teuer. Meine Vorstellung war es also, die entsprechenden Kapitel einzeln kaufen zu können. Wenn du lediglich Informationen über Swiss-Triplets haben wolltest, dann brauchtest du auch nur 1,99 Dollar dafür auszugeben. So hat sich das Konzept nach und nach entwickelt – im Grunde so was wie iTunes für Drummer.«

Wie hat sich dieses Konzept im Laufe der Jahre verändert?

»Nun, am Anfang ging’s ausschließlich um vorproduzierte Videos, und zwar so, dass, falls es einen Namen für etwas gab, du auch eine Lesson dazu finden können solltest. So entstand eine kleine Enzyklopädie für Rudiments und Rhythmen. Dazu kamen dann einzelne Kapitel zum Beispiel zu Linear-Fills in Sechzehntel- oder Zweiunddreißigstelnoten. Es wurde immer umfangreicher, bis wir etwa 400 dieser 1,99-Dollar-Lessons zusammen hatten. Dann hat mich ein südafrikanisches Magazin interviewt: Vor Ort gab’s so gut wie keine Schlagzeuglehrer, und vieles lief lustigerweise über meine Online-Drum-Lessons. Aber es gab natürlich keine Interaktion. Damals gab’s aber noch technische Probleme, denn Streaming oder solche Dinge waren komplett unbekannt. Also habe ich nach einem anderen Weg gesucht. Es war –  vor allem in Südafrika – seinerzeit technisch einfach nicht möglich, eine halbstündige Unterrichtseinheit herunterzuladen. Es gab jedoch eine Baseballmannschaft aus Chicago, die ihre Spiele bereits damals ins Internet übertrug und es den Fans ermöglichte, sich online miteinander in einem Chat-Room zu unterhalten. Alles das klingt heute völlig normal, war’s aber damals definitiv nicht. Das war Star Trek. Also habe ich mich mit dem IT-Menschen des Baseballteams in Verbindung gesetzt. Ich wollte seinen Rat bekommen, wie man so etwas auch für Schlagzeugunterricht machen könnte. Kurzum, es hat funktioniert, und wir waren das erste Unternehmen mit Live-Online-Drumlessons. Dabei konnten die Schüler jederzeit Fragen stellen. Wir hatten und haben immer noch regelmäßige Unterrichtsstunden, morgens und abends. Montags, mittwochs und sonntags. Sonntags geht’s um die Anfänger, montags um die Fortgeschrittenen und mittwochs um die angehenden Profis. Wenn du dich bei uns einschreibst, dann hast du grundsätzlich Zugang zu allen Lessons. Es ist dann mein Job, den Leuten zu erklären, warum sie nicht alle 12 Lessons im Monat machen, sondern sich zwar alle anschauen, aber diejenigen auswählen sollten, mit denen sie ganz per­sönlich etwas anfangen können. Es geht dabei nicht immer ums Level: Du kannst z.B. ein sehr fortgeschrittener Metaldrummer sein, musst aber vom Lesen nicht unbedingt Ahnung haben. Oder du kannst super lesen, hast aber von Fills keinen Plan, weil du vielleicht eher in Marching-Bands unterwegs warst.«

Das ganze Interview findet Ihr in drums&percussion September/Oktober 2012 ab Seite 20.


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